Warum Moleskine?

Mein erstes Moleskine-Erlebnis war ein Misserfolg. Oder sollte ich besser sagen: mein erstes Nicht-Erlebnis? Das begann nämlich damit, dass ich mir das Notizbuch einer anderen Marke kaufte, das aber über dieselben Ausstattungsmerkmale wie ein Moleskine verfügte: Lesebändchen, Tasche im Inneren des Rückdeckels. Außerdem ein Gummiband, dass das Buch zusammenhält. Oder besser gesagt: zusammenhalten sollte. Denn bereits nach wenigen Tagen war die Enttäuschung groß. Da das Gummiband nur an der Papptasche befestigt war, löste es sich bereits nach mehrmaligem Öffnen aus der Halterung.  — Als vollwertiges Ganzes war das Notizbuch der andere Marke unbrauchbar geworden. Moleskine hat mich in dieser Hinsicht niemals enttäuscht. Ganz pragmatisch betrachtet, sind die Notizbücher aus Italien robuste (Schreib-)Werkzeuge, unverwüstlich und dabei stets elegant. Paris, 10 Uhr. Das Gummiband hält. Aber Moleskine ist noch viel mehr. Eine Weltanschauung. Eine ganze Philosophie reiner, unbeschriebener Blätter zwischen zwei Buchdeckeln. Wenn man einmal eines in der Hand hatte, möchte man es immer wieder tun. Moleskine befummeln, das reicht an guten Sex heran. Und zwar ganz dicht. Apropos ganz dicht. Dass ich inzwischen eine halbe Moleskine-Warensammlung besitze, hat schon so manchen meiner Bekannten und Freunde daran zweifeln lassen, dass ich Selbiges bin. Dabei hat das einfach nur mit Sucht — oder Sehnsucht zu tun. Hat man eines, will man alle. Volant, klassisch, Cahier oder City-Notebook. Und jedes Mal ist es wieder aufs Neue ein erhebendes Gefühl, ein „frisches“ Moleskine in den Händen zu halten. Warum sie überdies praktisch sind, die Moleskines, davon soll diese Rubrik auf moleskinisten.de erzählen.